Ein Mensch muß viele guten Taten tun, um zu beweisen, dass er tüchtig ist, aber er muß nur einen Fehler begehen, um zu beweisen, dass er nichts taugt.
George Bernard Shaw
Beim Schreiben ist es umgekehrt.
Man kann ungezählte Texte und Manuskripte in Schubladen horten. Solange keines davon veröffentlicht ist, halten einen die Mitmenschen im besten Falle für einen 'sympathischen Spinner'.
Erst wenn ein Verlag das Werk annimmt und der eigene kreative Output plötzlich mit einer ISBN Nummer versehen wird, ändert sich schlagartig die Meinung. Verrückt, aber wahr, und fast jeder Schriftsteller kann ein Lied davon singen. Mir ging es nicht anders.
Geschrieben habe ich schon immer. In der Grundschule kleine Theaterstücke für deren Aufführung ich die beteiligten Klassenkameraden derartig mit Regieanweisungen triezte, dass einige noch vor Uraufführung genervt das Handtuch warfen.
Vermutlich um nicht länger von anderen abhängig zu sein, verlegte ich mich darauf, Romane zu schreiben.
Mit 15 Jahren vollendete ich das erste Werk. Einen Fantasy-Roman mit dem Titel 'Kasach'; getippt auf einer alten mechanischen Schreibmaschine, deren Krach meine Eltern wohl so genervt haben muss, dass sie mir im Jahr darauf eine elektrische schenkten.
Ich hatte, wie vermutlich viele angehende Autoren, bewußt das Genre Fantasy gewählt, da es auf den ersten Blick einfach erschien. Keine Regeln, die eingehalten werden mussten. Grenzenlose Möglichkeiten.
Doch genau das machte es, unter dem Damokles-Schwert von Tolkien & Hohlbein, so unglaublich schwer. Ich stellte bald fest, dass meine Talente wohl eher auf anderen Gebieten lagen, zumal ich -ironischerweise- Fantasy als Lektüre rundherum ablehnte.
So verschwand dieses Buch in der Schublade, wo ich es selbst dann noch liesse, wenn ich berühmt wäre, und meine Grundschulaufsätze Höchstpreise bei Sotheby's erzielen würden.
Beim nächsten Roman beherzigte ich eine alte Schriftstellerregel: Schreib über etwas, das du kennst.
Deshalb wählte ich meinen südenglischen Studienort Plymouth als Szenerie für einen Thriller, in dem ein Serienmörder Studentinnen der Universität ermordet.
Der Roman würde ein ordentliches Lektorat brauchen; die Kernidee von 'Identisches Resultat' finde ich jedoch selbst heute noch genial.
Vielleicht werde ich sie bei Gelegenheit wieder aufgreifen und veröffentlichungsreif machen.
Mit 'Identisches Resultat' begann ich erste Erfahrungen mit Verlagen zu sammeln.
Jeder (angehende) Autor kennt das Dilemma mit Verlagen, die einen nicht wollen, und (Druckkostenzuschuss-)Verlagen, die man selbst nicht will.
Da ich (hauptberuflich) im Management tätig bin, kann ich verstehen, dass Lektoren bei der Vielzahl unaufgefordert zugesandter Manuskripte inzwischen nur noch Standardabsagen verschicken. Zumal ich aus eigener Erfahrung weiß, daß vieles, was da so auf den Schreibtischen der Lektoren landet, die Bezeichnung Literatur nicht verdient. Wer z.B. die deutsche Rechtschreibung nicht beherrscht, kann die Sprache, derer er sich bedient, gar nicht lieben!
Trotz korrekter Orthographie handelte auch ich mir jahrelang nur Absagen ein. Die ausgelöste Frustration ist immens. Man selbst gibt sein 'Herzblut' und erhält bedeutungsleere Phrasen zurück.
Das Problem mit den Absageschreiben ist, dass man nicht erkennt, ob man tatsächlich bloß nur durch das Raster vielbeschäftigter Lektoren gefallen ist, oder ob das eigene Gehirn schlicht und ergreifend eine total talentfreie Zone ist.
Ich schrieb tapfer weiter. Vielleicht ist das die 'natürliche' Auslese. Denn soviel weiß ich heute: Auch ohne Veröffentlichung würde ich in 10 Jahren noch schreiben und Manuskripte in meiner Schublade stapeln. Nicht weil ich will, sondern weil ich MUSS. Denn da gibt es diese grandiosen Geschichten in meinem Kopf, denen ich Form (=Sprache) verleihen will.
Zurück zur Kernfrage: Ein Verlag... woher nehmen und nicht stehlen?
2004 befand ich mich in einer schwierigen Situation. Einige Dinge meines Lebens waren überraschend aus den Fugen geraten und ich surfte ziellos durch das Internet.
Bei EBay stieß ich auf das Angebot eines Schreibkurses (seit kurzem zu finden unter www.kreatives-schreiben.net), den der Autor Rainer Wekwerth (www.wekwerth.com) anbot. Da ich bislang nie wirklich gelernt hatte, wie man Texte verfasst, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopfe.
Es hat sich gelohnt. Meinen Wortkompositionen, die ich nach Kleistscher Manier gerne unendlich tief verschachtelte, tat Rainer Wekwerths minimalistischer Einfluß gut.
Mein Roman 'Heathcliff', der bereits vorher existiert hatte, wurde 'kernsaniert'. Am Ende war selbst Rainer mit dem Resultat zufrieden und wurde mein Agent (www.die-autoren-agentur.de).
Natürlich kann man es auch ohne Agenten schaffen. Dabei kann das Internet von großer Hilfe sein.
Nicht nur, dass man sich online direkt die Anschrift in Frage kommender Verlagshäuser heraussuchen kann, es gibt inzwischen einige Web-Portale (www.peenae.de oder www.romansuche.de), welche die Werke junger Autoren veröffentlicht werden und auf deren Seiten sich -nachweislich- echte Verlage tummeln.
Vor allem Peenae bietet angehenden Autoren durch die Abstimm- und Kommentierfunktion die Möglichkeit, wertvolles Feedback unvoreingenommener Leser zu erhalten.
Leider tummeln sich auf solchen Seiten auch jene Seelenverkäufer, die sich Druckkostenzuschuss-Verlage nennen. Nur ein Wort dazu: NEIN !
Jeder seriöse Verlag bezahlt den Autor, niemals umgekehrt! (Dasselbe gilt übrigens für Agenten.)
Wenn Sie Ihr Buch unbedingt gedruckt sehen möchten und keinen Verlag dafür finden, dann gehen Sie über BOD (Book on demand). Das ist definitiv der fairere Weg.
Noch ein letztes Wort an angehende Autoren:
Mit dem Schreiben sind keine Reichtümer zu verdienen. Nur eine Handvoll deutscher Autoren sind so erfolgreich, dass sie von dem, was sie zu Papier bringen, leben können. Der Rest, einschließlich mir, schreibt aus Berufung und verdient seine Brötchen auf anderem Wege.
Die Motivation ist folglich eine andere. Meine ist das unglaubliche Gefühl, das eigene Buch gedruckt in Händen zu halten. Feedback von Leuten zu bekommen, die es gelesen haben und zu wissen: Es steht dort draußen in den Bücherregalen von anderen Menschen!
Ein Stück Unsterblichkeit... zumindest bis zur nächsten Buchmesse.
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